SV DESSAU 05

Mit Willenskraft zum Heimsieg

Björn Reinhardt, 20.09.2021

Mit Willenskraft zum Heimsieg

Die Saison des SV Dessau 05 verläuft bisher ziemlich erfolgreich. Einen Spieltag vor Ablauf der Hinrunde steht die Mannschaft aus dem Schillerpark als Herbstmeister der Verbandsliga Nord fest. Und das, weil zum einen mit Bitterfeld-Wolfen und Elster die direkte Konkurrenz bereits am Freitagabend Punkte hat liegen lassen, sowie zum anderen die Nullfünfer am Samstagnachmittag gegen den FSV Barleben einen Arbeitssieg einfahren konnten.

Auf einem schwer zu bespielenden Geläuf musste wahrhaftig gearbeitet werden. Cheftrainer Lucian Mihu war dabei vor dem Spiel zu Experimenten gezwungen. In den ersten Begegnungen der Saison hatte die Verbandsliga-Equipe aus der Bauhausstadt stets das Privileg mit einer eingespielten Mannschaft antreten zu können, stand gegen Barleben mit Julian Bittner, Usman Taiwo und Constantin Cotov gleich die gesamte erste Offensivreihe nicht zur Verfügung. Philip Kupka und Tobias Berndt übernahmen die Flügelpositionen. Vizekapitän Max Eschner, hauptberuflich Außenverteidiger, übernahm das Sturmzentrum. Und überhaupt bereitete die Aufstellung so einige Kopfschmerzen. Viele Akteure konnten krankheitsbedingt nicht das volle Trainingspensum absolvieren. Selbst ein positiver Covid-Schnelltest, der bei einer routinemäßigen Kontrolle erfolgte, sorgte zwischenzeitlich für helle Aufregung. Dieser sollte sich später glücklicherweise als falsch positiv herausstellen. Doch ganz unabhängig von den widrigen Bedingungen übernahmen die Hausherren wieder das Kommando auf dem Platz und versuchten dem Gegner aus der Börde das eigene Spiel aufzuzwingen. So hatten Eschner, Kupka und Schuhmacher im ersten Durchgang bereits beste Möglichkeiten das Spiel früh in die richtige Richtung zu lenken. Die tief stehende Defensive der Barleber wusste allerdings einen frühen Rückstand zu verhindern.

Im zweiten Durchgang wollte das Team aus Barleben dann unter Beweis stellen, dass es eigentlich immer noch ganz respektable Kicker in den eigenen Reihen und setzte vor allem durch Ex-Nullfünfer Nils-Oliver Göres und Christopher Kalkutschke immer wieder offensive Nadelstiche. 05-Keeper Kostas Samaras musste immer wieder Kopf und Kragen riskieren, um seine Mannschaft im Spiel zu halten. Was der oft geforderte Christian Chidera nicht abräumen konnte, musste Samaras übernehmen.

Als die Kräfte beider Mannschaften schwanden, sich die Anhänger eigentlich schon auf eine Punkteteilung eingestellt hatten, sollte es dann doch passieren. 86 Minuten waren gespielt, als sich der erst 17-jährige Felix Egelkraut im Mittelfeld den Ball erkämpfte, absicherte und kontrolliert an Philip Kupka weitergab. "Kuppe" hatte irgendwie im Augenwinkel mitbekommen, dass sich Robert Römer, der ein sehr laufintensives Spiel in den Beinen hatte, aus dem Deckungsschatten seines Gegenspielers loseisen konnte. Der Pass kam in die Tiefe des Raumes, wo sich Römer einfach nur noch in den Ball rein wuchtete und der Rest war grenzenloser Jubel. Es war wahrlich kein kontrollierter Schuss. Auch kein strammer Schuss. Es war einfach nur ein Tor des Willens. Und diesen Willen, das Heimspiel gegen den FSV Barleben nicht ohne die vollständige Punktzahl zu beenden, zeigte der 35-jährige Routinier über die gesamte Spieldauer.

"Wir haben uns natürlich alle über den Sieg im eigenen Stadion gefreut. Obwohl das Tor letztendlich erst sehr spät gefallen ist, haben wir unter diesen Bedingungen ein solides Spiel gezeigt. Wir hatten im ersten Durchgang klare Torchancen, die wir eigentlich nutzen müssen. In der zweiten Halbzeit ist uns die Durchschlagskraft abhandengekommen. Aber letztendlich hat sich die Mannschaft das späte Tor durch ihren Einsatz erarbeitet", kommentierte Mihu den Erfolg im Schillerpark. "Vielleicht haben viele ein vermeintlich leichtes Spiel gegen eine Mannschaft, die auf dem vorletzten Platz steht, erwartet. Aber Barleben kein schlechtes Team für die Verbandsliga. Sie haben die Spieler mit der notwendigen Erfahrung, die trotz der sehr defensiven Spielweise auch für Erfolgsmomente sorgen können."