SV Dessau 05

"Dessau wird immer in meinem Herzen bleiben"

Björn Reinhardt, 17.04.2019

"Dessau wird immer in meinem Herzen bleiben"

Am Ende lief die amerikanische Nationalhymne in der Umkleidekabine. Kabinen-DJ Frank "Fiete" Wallach sorgte für das entsprechende Ambiente. Zuvor hatte sich US-Boy Justice Duerksen mit einer sehr emotionalen Rede an seine Mannschaft gewandt, um sich von dieser zu verabschieden.

Nachdem Duerksen am vergangenen Wochenende im Spiel gegen den Haldensleber SC den Platz mit einer ausgekugelten Schulter bereits früh verlassen musste, brachte das MRT in Halle am Montagvormittag die traurige Gewissheit: Eine Operation ist aufgrund einer Luxation unumgänglich. Die Saison ist für den 24-Jährigen damit frühzeitig beendet. Für Duerksen, der sein Studium inzwischen beendet hat und im August einen Job in seiner kalifornischen Heimat annehmen wird, ging dann alles ganz schnell. "Es ist schon komisch, wie schnell sich die Pläne manchmal ändern können", lässt der US-Amerikaner wissen. Die Situation ist gleich doppelt bitter, denn eigentlich hatte sich für die Osterfeiertage Familienbesuch aus den Staaten in der Bauhausstadt angekündigt. Stattdessen nutzt Duerksen eines jener Flugtickets, um am Mittwoch die Reise in die Heimat anzutreten. Der Flügelflitzer lief dabei in den abgelaufenen 48 Stunden einen organisatorischen Marathon. Auto verkaufen, Wohnung auflösen, Flug umbuchen und zahlreiche Verabschiedungen. Am Ende gab es die spontan organisierte Abschiedsparty mit seiner Mannschaft und ein vorerst letztes Mal Schnitzel und Bier im Sportheim am Schillerpark.

In den USA wird sich Justice Duerksen nun der notwendigen Operation unterziehen. Die Ausfallzeit wird auf ungefähr 3 Monate geschätzt. Da der rechte Arm betroffen ist, wird er in dieser Zeit zudem auf Hilfe angewiesen sein. "Ich kann dem Team in meiner jetzigen Situation leider nicht mehr helfen. Zudem möchte ich wieder gesund sein, wenn ich meinen neuen Job antrete", begründet Duerksen seine kurzfristige Abreise. "Das alles macht mich natürlich sehr sehr traurig, denn so wollte ich mich definitiv nicht von dieser großartigen Mannschaft verabschieden."

Der SV Dessau 05 verliert mit Justice Duerksen nicht nur einen guten Spieler, sondern vor allem einen guten Freund. In der Vereinshistorie gibt es nur eine Handvoll Spieler, die ob der kurzen Vereinszugehörigkeit, einen solchen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. "Ich kann mich eigentlich nicht daran erinnern, dass Justice einmal schlecht gelaunt war. Er hatte immer ein Lächeln im Gesicht", spricht Mannschaftskapitän Rick Behling über seinen nun ehemaligen Mitspieler. Positiv blickt auch Cheftrainer Lucian Mihu auf die gemeinsame Zeit zurück: "Justice war sofort ein Vorbild für unsere Mannschaft. Er hatte sich schnell integriert, war sehr diszipliniert und war bereit Verantwortung zu übernehmen."

Duerksen selbst wird den Verein mit einem weinenden Auge verlassen: "Ich möchte mich bei allen Bedanken. Vor allem bei jenen, von den ich mich nicht persönlich verabschieden konnte. Dessau wird immer in meinem Herzen bleiben. Die Mannschaft hat mich mit offenen Armen empfangen, das Trainerteam hat mich zu einem besseren Spieler gemacht, der Verein hat mich zu jeder Zeit unterstützt und unter den Zuschauern konnte ich viele nette Menschen kennenlernen." Der Amerikaner kündigte außerdem an, das Geschehen um den Verein weiter verfolgen zu wollen: "Ich werde mir die Spiele im Livestream ansehen und die Daumen drücken."

Mit seinen letzten Worten auf Deutsch stellte Duerksen zudem klar "Ich sage nicht tschüss. Ich sage auf Wiedersehen", um dann noch ein Wintertrainingslager in Südkalifornien anzubieten. "Because the winter is so fucking cold in Germany."


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